Videospiele und Handygames

Digitale Spiele sind eine verbreitete Freizeitgestaltung. 60% der 12- bis 19-jährigen Mädchen und Jungs spielen täglich oder mehrmals in der Woche am Computer, an der Spielkonsole, am Tablet oder am Smartphone - bei den Jungen sind es sogar 80% die regelmäßig zocken. In den letzten Jahren hat sich das Smartphone zum beliebtesten Spielgerät entwickelt. Dadurch nimmt auch die Anzahl der weiblichen und erwachsenen Spieler/innen zu. Die größte Spielergruppe sind die 12- bis 15-Jährigen. Mit zunehmenden Alter nimmt laut Statistik (Jim Studie 2017) die Nutzungsfrequenz ab. Dann nehmen Freunde, Beziehungen, Schule und Arbeit einen größeren Stellenwert ein.
Spiele haben sich als Kulturgut etabliert. Der sogenannte E-Sport (electronic sport) als Wettkampfdisziplin findet immer mehr Verbreitung und mediales Echo. Wenn man bedenkt, dass Videospiele zum Teil höhere Produktionskosten als große Hollywoodfilme haben, dann versteht man wie bedeutend Spiele für Hersteller, Medien und Spieler/innen sind und nicht nur als sinnlose Freizeitbeschäftigung abgetan werden können.
 

Was fasziniert Mädchen und Jungen an digitalen Spielen?
Für Eltern ist es oft schwer nachvollziehbar, wenn Kinder stundenlang mit voller Inbrunst vor den Bildschirm sitzen und alleine oder mit Freunden spannende virtuelle Abenteuer erleben. Man kann den Reiz den Spiele ausüben besser verstehen, wenn man diese selbst ausprobiert. Kinder zeigen und erklären gerne was sie spielen und warum es so fesselnd ist.
 
Die Faszination von digitalen Spielen ist sehr vielschichtig und individuell. Es geht aber häufig um folgende Aspekte:
  • Simulierte Lebenserfahrungen und Probehandlungen (z.B. bei Rennspielen oder Rollenspielen)
  • „Selbstwirksamkeitserleben“. Die Handlungen des Spielers in der Realität haben eine direkte, unmittelbare und eindeutige Auswirkung auf das virtuelle Spielgeschehen
  • Ordnung, Struktur und Disziplin erleben
  • Protagonist/in sein von spannenden Abenteuern in faszinierenden Welten
  • Gemeinsam mit anderen spielen, über Chat in Verbindung sein mit den Anderen
  • Flow-Erlebnisse (wenn man in der Tätigkeit vollkommen aufgeht)
  • Sich in gute Stimmung versetzen
  • Mitreden können, z.B. im Pausenhof über Spielerlebnisse und Strategien diskutieren
  • Experte sein z.B. durch Spielfachsprache, hohe Punktezahl
  • U.v.m.
Tipp: Für Außenstehende ist es oft schwierig nachzuvollziehen, was an digitalen Spielen so fesselnd ist. Seien Sie neugierig und fragen Sie ihr Kind, ob es ihnen seine Spiele zeigt.
 
Mehr Infos zur Faszination von digitalen Spielen finden Sie auf klicksafe.

 
Wie und wo wird gespielt?
Gespielt wird auf unterschiedlichsten Geräten. Hier ein kurzer Überblick:
  • Handy und Smartphone: eher für Gelegenheitsspieler/innen und für Spiele zwischendurch
  • Konsolen wie Playstation, Xbox, Nintendo: eher für die Freizeit und ambitionierte Spieler/innen
  • PC: Computerspiele sind meistens für ambitionierte und professionelle Spieler/innen
In den letzten Jahren hat sich das Smartphone als populärstes Spielgerät etabliert. Wir tragen es immer bei uns und haben somit ständig die Möglichkeit auch Zwischendurch schnell mal zu spielen.
Die Rechenleistung auf Konsolen und Computer ist nach wie vor deutlich höher. Deshalb sind dort die Spiele wesentlich komplexer, die grafische Darstellung meist aufwändiger. Die Turniere werden auf Windows PCs gespielt - meist mit Headset damit man mit den Teamkollegen/innen in Echtzeit chatten kann.
 

Genres
Digitale Spiele werden wie Bücher und Filme in verschiedene Genres eingeteilt. Dabei geht es weniger um den Inhalt sondern um die Art und Weise wie das Spiel gespielt wird oder welche Spielmechanismen zu Grunde liegen. Einige Beispiele für Genres:
  • Shooter oder auch Ego-Shooter: In einer 3D-Welt wird mit Waffen alleine oder im Team gegen Feinde gekämpft. Verbreitete Spiele sind z.B. Battlefield, Call of Duty und Fortnite.
  • Rollenspiele und Onlinerollenspiele (MMORPG – Abkürzung für Massively Multiplayer Online Role-Playing Game): Man schlüpft in die Rolle meist heldenhafter Charakter, die man nach eigenen Vorlieben gestaltet und erlernt in einer offenen Spielwelt nach und nach verschiedene Fähigkeiten wie Kampftechniken oder mächtige Zauber (z.B. Fallout, The Witcher). In Online-Varianten wird zusätzlich oft in sogenannten Clans mit Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt gespielt und in Echtzeit in integrierten Chats kommuniziert wie z.B. in World of Warcraft oder The Elder Scrolls Online.
  • Strategiespiele
  • Tower-Defense: Zählt zu den Echtzeit-Spielstrategien. Aufgabe ist es, verschiedene Arten von Verteidigungsanlagen (meiste Wach- oder Geschütztürme) auf einer Karte so zu bauen, dass heranstürmende Gegner daran gehindert werden, diese zu durchqueren.
  • Wirtschaftssimulationen (z.B. Sim City, Landwirtschaftssimulator)
  • Puzzle Games
Mehr Infos zu den verschiedenen Genres von digitalen Spielen auf klicksafe.
 

Videospiele und Gewalt
Videospiele, insbesondere Shooter-Spiele (Call of Duty, Battlefield etc.), stehen in den Medien häufig in der Kritik, da sie Waffengewalt und zielgerichtete Gewalt auf virtuelle Menschen und Spieler/innen beinhalten. Betrachtet man allerdings die Anzahl der Spieler/innen, die solche Shooter-Spiele spielen ohne jemals Gewalt auszuüben, wird klar, dass der Anteil der Personen die tatsächlich in der nicht-virtuellen Welt gewalttätig werden, nur einen marginalen Bruchteil darstellt.
Experten gehen davon aus, dass nicht die Spiele an sich gewalttätig machen, sie erhöhen allerdings den Zugang zu gewalttätigen Bildern - was besonders bei jüngeren Kindern problematisch ist. Außerdem vermutet man, dass Spieler/innen die bereits ein erhöhtes Gewaltpotential in sich haben, eher dazu neigen solche Spiele zu spielen.
 
Tipp: Wenn sich ihr Kind für Shooter-Spiele begeistert, ist dies zunächst nicht besorgniserregend. Sprechen Sie mit ihrem Kind darüber warum gerade dieses Spiel so spannend ist. Machen Sie sich ein Bild davon, wie ihr Kind mit Gewaltszenen umgeht und was es selbst davon hält. Dadurch können Sie besser einschätzen, wie es ihrem Kind geht.
 
 
Videospielsucht ist als Krankheit anerkannt
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Videospielsucht im Juli 2018 in ihren Katalog der psychischen Krankheiten aufgenommen. Die Diagnose „Gaming Disorder“ geht aber weit über ein stundenlanges Zocken hinaus. Vielmehr geht es um Betroffene,
  • die Ihr Spielverhalten nicht mehr kontrollieren können.
  • die trotz negativer Folgen, die sich aus dem Spielen ergeben, immer weiter spielen und andere Aktivitäten stark vernachlässigen.
  • bei denen die Sucht die körperliche Fitness beeinträchtigt.
Die WHO betont aber, dass nur ein kleiner Anteil der Menschen, die digitale oder Videospiele spielen, von diesem Problem betroffen sind.
 
Informationen zum Thema Altersfreigabe und zu Altersempfehlungen von Spielen finden Sie hier.


Weitere Infos zum Thema:
Spieleratgeber NRW (Vielzahl von Spielebeurteilungen und Spiele-Empfehlungen).
Computerspiele für Kinder: Worauf Eltern achten sollten auf klicksafe.
Elternratgeber Computerspiele auf saferinternet.at zum Download.
Goldene Regeln für Kinder von 7-10 Jahren auf schau-hin.


Zurück zu den Medienwelten.
 
Eine Initiative des Forum Prävention im Auftrag und Zusammenarbeit mit der Familienagentur und 14 Projektpartnern.

 
Home