Unsere Daten im Netz

Da wir im Internet nicht wirklich sehen, wer uns beobachtet, fühlen wir uns relativ sicher Privates und Persönliches preiszugeben. Online fällt es uns leicht mal eben ein Urlaubsfoto zu posten, den Artikel eines Onlinemagazins zu kommentieren oder die GPS-Koordinaten der täglichen Joggingrunde zu veröffentlichen. Außerhalb des Internets würden die meisten nicht so freizügig sein: Nur wenige würden mit Badehosen durch die Einkaufsstraße laufen, kaum jemand würde fremden Personen auf der Straße den Beziehungsstatus oder andere private Dinge erzählen.
 
Wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten geht, gibt es zwei Aspekte zu beachten:
  • Persönliche Daten können in falsche Hände gelangen oder missbraucht werden (Identitätsraub, Mobbing, Diskriminierung, Cyberkriminalität wie Erpressung, Einbruch, Datenklau etc.). Das Internet vergisst nicht!
  • Grundsätzlich basieren kostenlose Angebote im Internet auf Werbefinanzierungen. Das bedeutet, das einzige Ziel dieser Angebote ist es, so viel wie möglich über die Nutzerinnen und Nutzer zu erfahren, um dadurch möglichst umfangreich gezielte Werbung schalten zu können. Deshalb sind diese Angebote so aufgebaut, dass wir möglichst viel von uns preisgeben und die Dienste möglichst häufig und lange nutzen.

Wie bezahlen wir eigentlich unsere kostenlosen digitalen Anwendungen?
Wir nutzen das Internet auf vielfältige Art und Weise und hinterlassen dabei, ohne es zu bemerken, Spuren: Wir kommunizieren, suchen Informationen, bewegen uns in sozialen Netzwerken, kaufen online ein, buchen Ferien, wickeln Bankgeschäfte ab usw. Die meisten verwendeten Dienste speichern dabei unsere Daten, tauschen sie untereinander aus und nutzen sie kommerziell.

Auch Dienste wie WhatsApp oder Facebook sind zwar kostenlos aber nicht umsonst: Wir bezahlen mit unseren Daten. Dabei wissen wir vielfach nicht einmal welche Daten genau gespeichert werden. Bei der Installation von Apps werden oft weitreichende Berechtigungen erteilt, mit denen Daten übertragen werden können: Zugriff auf die Kontakte, Standorte, auf Fotos und das Mikrofon usw. Schnell ist das Einverständnis erteilt – andernfalls kann die App nicht installiert werden. Die Anbieter verweisen auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder Datenschutzerklärungen, die jedoch in den meisten Fällen kaum jemand liest.
 
Unsere persönlichen Daten genießen grundsätzlich einen weitreichenden Schutz. Ohne Einwilligung der Personen dürfen Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer nicht gespeichert, veröffentlicht oder weitergegeben werden. Eine Einwilligung kann jedoch durch die Zustimmung zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AEB) eines Angebots während der Anmeldung erfolgen.
 
Für Fotos und Videos gilt das Recht am eigenen Bild: Ausschließlich die abgebildete Person darf entscheiden, welche Aufnahmen von ihr veröffentlicht oder verbreitet werden. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, z.B. für Aufnahmen, auf denen man Teil einer Menschenmenge ist.
 

Wer hat Interesse an unseren persönlichen Daten?
  1. Nicht nur Datenkraken wie Google und Facebook sammeln Unmengen an persönlichen Daten, im Prinzip schürfen alle Angebote im Netz unser Surfverhalten ab. Immer wieder wird in deren Datenbanken eingebrochen und Millionen an vertraulichen Daten gelangen in Besitz von Unbekannten, z.B. Passwörter, Kredikartennummern, Namen aber auch kompromittierende Bilder oder Videos.
  2. Menschen mit bösen und kriminellen Absichten haben es ebenfalls auf unsere Daten abgesehen: Ein Foto im Badeanzug auf Facebook kann aus Rache schnell auf eine Pornoseite gelangen, Informationen über meinen Lebensstil können für Einbrecher oder Diebe sehr nützlich sein.
 
Grundsätzlich gilt: Sparsamer Umgang mit persönlichen Daten im Netz!
Informationen, Bilder und Videos die einmal ins Netz gestellt werden, sind kaum mehr zu kontrollieren. Gerade Kinder, die die Mechanismen im Netz noch nicht gelernt haben, gehen oft leichtsinnig mit persönlichen Daten um, da ihnen mögliche Konsequenzen nicht bewusst sind. Gerade deshalb ist es wichtig, Kinder schon bei den ersten Klicks im Internet für das Thema Datenschutz zu sensibilisieren, auf die Vertrauenswürdigkeit von Angebote zu achten, Anmeldungen und App-Downloads zusammen vorzunehmen und Kindern mögliche Folgen aufzuzeigen.
 
Ein paar wichtige Tipps:
  • Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken regelmäßig überprüfen: Häufig sind Profile standardmäßig auf „öffentlich“ eingestellt. Ändern Sie diese Einstellung gemeinsam mit ihrem Kind und richten Sie ein privates Profil ein.
  • Nur Freundschaftsanfragen von Personen annehmen, die man auch im realen Leben kennt.
  • Einmal im Netz – immer im Netz: Daran sollte man bei der Veröffentlichung von Fotos, Videos und sensiblen Informationen denken.
  • Auch andere haben ein Recht am eigenen Bild: Achtung beim Veröffentlichen von Fotos oder Videos von Dritten. Geschieht dies ohne Zustimmung der Person macht man sich strafbar.
  • Weniger ist mehr! Mit persönlichen Daten wie Name, Adresse und Telefonnummer sollte sehr vorsichtig umgegangen werden. In Chats (auch Spielchats) immer einen „Nickname“ verwenden und niemals den richtigen Namen.





Eine Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Instagram Privatsphäre.
Erstellt von Leoni und Franzi gemeinsam mit dem Jux MediaLab.
Wie kann ich mit meinem Kind über Datenschutz und den Umgang mit persönlichen Daten sprechen?
Es gehört zu den Erziehungsaufgaben Kinder und Jugendliche darauf aufmerksam zu machen, die Daten über die eigene Person nicht anderen zu überlassen und die Kontrolle über diese nicht zu verlieren. Sprechen Sie das Thema konkret an. Häufig hilft ein Beispiel: Welche Daten und Informationen über sich selbst würden Sie auf einer Bühne am Hauptplatz den Passanten preisgeben?
Besprechen Sie mit Ihrem Kind welche Informationen es für sich behalten möchte oder nur ganz bestimmte Menschen wissen dürfen, welche Daten Freunde wissen dürfen und welche Informationen die ganze Welt wissen darf, ohne dass es Nachteile mit sich bringen kann.
Erklären Sie Ihrem Kind, warum Apps kostenlos sind und mit welchen Mechanismen die Anbieter dieser Anwendungen ihr Geld verdienen.


Mehr Infos:
Tipps zum Thema Privatsphäre auf klicksafe.
Infos zum Schutz von persönlichen Daten im Netz auf schau-hin.
Privatsphäre-Leitfäden: Schritt für Schritt Anleitungen für Soziale Netzwerke auf safer-internet.at.

 
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Eine Initiative des Forum Prävention im Auftrag und Zusammenarbeit mit der Familienagentur und 15 Projektpartnern.
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