Medienzeiten

Wieviel Zeit darf mein Kind vor dem Bildschirm verbringen?
Zeitangaben sollen immer nur als Richtwert verstanden werden. Eltern können die Lebenssituation Ihres Kindes selbst am besten einschätzen, denn jedes Kind und jede Familie hat unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten: Wie läuft es in der Schule, in der Familie? Hat mein Kind genügend Zeit für sich, zum Entspannen und zum Austoben? Ist die Mediennutzung ein Freizeitvergnügen oder ein Ventil für schlechte Gefühle? Wird bei Langeweile immer sofort zum Smartphone gegriffen? Solche Fragen können Ihnen helfen, die Nutzungszeit am Bildschirm einzuschätzen. Wichtiger als die exakte Einhaltung von Minutenangaben ist ein möglichst ausgewogener Alltag mit Zeit zum Spielen und für Hausausgaben, Zeit mit der Familie und Zeit für sich selbst.
 
Zur Orientierung können Ihnen folgende Richtwerte bei der Einschätzung der Mediennutzungszeit hilfreich sein:
  • 0-2 Jahre: Bewegte Bilder können kaum verarbeitet werden, geeignet sind Bilderbücher aus Pappe. Der Kontakt mit Medien sollte eher vermieden werden. Im Alltag ist dies jedoch oft schwierig, da Eltern oder Geschwister die Geräte häufig nutzen. Achten Sie darauf Ihr Kind nicht alleine vor diesen Geräte zu lassen. Smartphone und Tablet sind keine geeigneten Babysitter.
  • 3-5 Jahre: Kinder dieser Altersgruppe werden immer selbstständiger und wollen Dinge alleine erkunden, so auch die Welt der Medien, mit denen sich ihre Eltern oder Geschwister stark beschäftigen. Dabei braucht es aber Begleitung. Der Umgang mit Medien in dieser Altersgruppe sollte noch sehr sparsam sein. Achten Sie auf eine dosierte und betreute Mediennutzung, zum Beispiel 20 Minuten pro Tag mit Begleitung.
  • 6-10 Jahre: Die Nutzung von technischen und internetfähigen Geräten nimmt nun zu. Kinder schauen vor allem Videoclips und Filme und surfen auf kindergerechten Webseiten. Auch das Verschicken von Nachrichten wird zunehmend interessanter. Eine Begleitung im Internet von Seiten der Eltern ist auch hier erforderlich. Als Richtwert gelten circa 45 Minuten pro Tag.
  • 11-13 Jahre: In dieser Phase beginnen die Kinder zunehmend ihre Freizeit und ihre Mediennutzung autonom zu gestalten. Smartphone und soziale Medien werden immer wichtiger. Die Kinder gehen alleine ins Netz und stoßen unweigerlich auf nicht altersgerechte Inhalte und Angebote. Eltern sind deshalb umso wichtiger, indem sie das Gespräch mit den Kindern suchen und die Medien und deren Inhalte bewusst ansprechen. Experten empfehlen erst ab diesem Alter den Besitz von einem eigenen Smartphone mit Internetzugang. Zeitempfehlung: circa 60 - 90 Minuten am Tag.
  • Ab 14 Jahren werden Kinder immer autonomer und wollen ihr Smartphone selbstbestimmt nutzen. Achten Sie trotzdem darauf, ihr Kind mit den digitalen Inhalten und Angeboten nicht alleine zu lassen und interessieren Sie sich für die Nutzungsgewohnheiten ihres Kindes. Fördern Sie alternative Freizeitangebote. Es kann in diesem Alter zu einer sehr hohen Nutzungsdauer kommen: Beobachten Sie Ihr Kind, sein Umfeld in der Schule und in der Freizeit. Sollten andere Dinge zugunsten der Medien vernachlässigt werden, können Sie die Nutzungszeiten regulieren.
Vereinbaren Eltern mit ihren Kindern eine beschränkte Nutzungsdauer, sollten die gesamte Bildschirmzeit einbezogen werden: Fernseher, Games, Smartphone und Internet.

 
Auf die Balance kommt es an!
Wichtiger als die exakte Einhaltung von Zeitangaben ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen medialen und non-medialen Freizeitaktivitäten. Bei Kindern bis 10 Jahren ist es sinnvoll, dass ein tägliches Maß an Mediennutzung nicht überschritten wird. Bei älteren Kinder kann es sinnvoller sein, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. So können Kinder über diese Zeiten nach bestimmten vereinbarten Regeln selbst verfügen.
Unterstützen und fördern Sie medienfreie Aktivitäten Ihrer Kinder, in der Familie oder mit Freunden, damit Spiele, Apps und Internet nicht zum bevorzugten Mittel werden, zu dem Ihr Kind bei Langeweile, zur Problembewältigung oder zum Stressabbau greift. Planen sie medienfreie Zeiten in Ihrer Familie ein, z.B. beim gemeinsamen Essen, bei den Hausaufgaben oder nachts im Schlafzimmer.
 
Ab wann wird es zu viel?
Zunächst muss es nicht besorgniserregend sein, wenn Videospiele oder Smartphone für eine gewisse Zeit komplett im Vordergrund stehen. Die intensive Beschäftigung mit neuen Medien gehört zum Erwachsenwerden dazu: Es geht um Neugierde, Entdeckungsdrang, Identitätsfindung und gemeinsame (mediale) Erlebnisse mit Gleichaltrigen. In den meisten Fällen klingt ein exzessiver Mediengebrauch von alleine wieder ab.
 
Bei einigen Kindern und Jugendlichen zeichnet sich aber dennoch eine exzessive Mediennutzung ab und problematische Verhaltensweisen können sich entwickeln. Holen Sie sich Unterstützung wenn Ihr Kind über einen längeren Zeitraum
  • wichtige Interessen und Aktivitäten zugunsten der Mediennutzung zunehmend außer Acht lässt,
  • sich immer mehr von seinem sozialen Umfeld zurückzieht,
  • Freundschaften und familiäre Beziehungen stark vernachlässigt,
  • Schule, Lehre oder Arbeit aufgrund eines exzessiven Medienkonsums immer mehr hinten anstellt (z.B. schwänzen um zu Spielen),
  • Entzugserscheinungen hat, wie extreme Nervosität und Aggressivität,
  • ständig übermüdet ist, weil die Nacht zum Tag wird,
  • die Hygiene und das Essen stark vernachlässigt.
 
Der Rückzug in Videospiele oder ins Internet hat oft einen Grund. Wenn es in der Familie häufig Streit gibt, Gewalt oder Konflikte auf der Tagesordnung stehen, wenn das Leben unübersichtlich und unstrukturiert ist oder in der „realen“ Welt die negativen Erfahrungen in der Schule und bei Freunden (z.B. Mobbing) zunehmen, dann kann dies ein Grund sein, warum Kinder sich in eine scheinbar bessere und übersichtlichere Welt flüchten.
 
Holen Sie sich Rat und Unterstützung
Sie kennen ihre Kinder besser als andere: Beobachten Sie deren Verhalten, hören Sie auf ihr Gefühl und wenn sie unsicher sind, dann holen Sie sich Unterstützung bei einer Beratungseinrichtung in Südtirol.
 
Weiterführende Links:
Elternwissen kompakt: Wie Kleinkinder und Medienwissen zusammenpassen.
Infos zu Medienzeiten für Kinder auf schau-hin.
Infos zu Kinderschutz-/Filter-Apps vom Kindermedienland Baden-Württemberg.
Mit Kindern und Jugendlichen über die Internetnutzung sprechen auf jugendundmedien.ch.

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Eine Initiative des Forum Prävention im Auftrag und Zusammenarbeit mit der Familienagentur und 15 Projektpartnern.
 
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